Pressemitteilung

Erstes Licht für PoET: Ein strahlender Auftakt für die Exoplanetenforschung

9. April 2026

Das Paranal Solar ESPRESSO Telescope (PoET), installiert am Paranal der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile, hat den Betrieb aufgenommen und seine ersten Beobachtungen durchgeführt. Das Teleskop wird in Kombination mit dem ESPRESSO-Instrument der ESO eingesetzt, um die Sonne detailliert zu untersuchen. PoET ist als „Sonnenteleskop für Planetenjäger*innen“ konzipiert und soll erforschen, wie Helligkeitsschwankungen sonnenähnlicher Sterne die Signale umkreisender Planeten maskieren können. Diese Erkenntnisse sind essenziell, um die Präzision bei der Suche nach fernen Welten außerhalb unseres Sonnensystems maßgeblich zu erhöhen.

Eine der größten Hürden beim Aufspüren erdähnlicher Planeten um ferne Sonnen sind störende Signale, die von den Sternen selbst ausgehen“, erklärt Nuno Santos, leitender Wissenschaftler (Principal Investigator) für PoET am Institut für Astrophysik und Weltraumwissenschaften (IA) sowie an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Porto, Portugal. „Die Beobachtungen von PoET könnten der entscheidende Schlüssel sein, um Exoplaneten zu entdecken und zu charakterisieren, die derzeit noch in diesem Hintergrundrauschen verborgen bleiben.

Exoplaneten – Welten außerhalb unseres Sonnensystems – werden meist durch die Analyse des Lichts ihres Heimatsterns untersucht. Dabei wird nach minimalen Veränderungen in der Zusammensetzung des Sternlichts gesucht. Allerdings führen Aktivitäten auf der Sternoberfläche zu Signalen, die die Spuren eines Planeten überlagern oder sogar vortäuschen können. Ähnlich wie Sonnenflecken unser Sonnenlicht beeinflussen, verändert die Oberflächenaktivität anderer Sterne deren Lichtbild so stark, dass heutige Instrumente Schwierigkeiten haben, die Planeten herauszufiltern. Die Lösung für dieses Problem liegt nah: Wir lernen von unserem eigenen Stern, der Sonne.

Das Design von PoET ist gezielt darauf ausgelegt, die Sonne als Referenz zu nutzen, um das Licht ferner Sterne besser zu verstehen. Ein Teleskop mit einem 60-Zentimeter-Spiegel fängt Licht aus ganz bestimmten Regionen der Sonne ein – etwa von einzelnen Sonnenflecken –, um die Merkmale der Sternaktivität zu untersuchen. Zusätzlich nutzt PoET ein kleineres Teleskop, das das Licht der gesamten sichtbaren Sonnenscheibe erfasst.

Wir können nun sehr gezielte Bereiche der Sonne mit einer bisher unerreichten Detailtiefe untersuchen“, sagt Alexandre Cabral, ebenfalls in der Projektleitung von PoET tätig und am IA sowie an der Universität Lissabon forschend. Durch die gleichzeitige Beobachtung der gesamten Sonnenscheibe und einzelner Oberflächenstrukturen lässt sich exakt bestimmen, wie die Aktivität des Sterns das Licht verändert. Diese Erkenntnisse dienen als Leitfaden, um störende Signale von fernen Sternen präzise zu entfernen und so die dort verborgenen Planeten sichtbar zu machen.

Um die Sonne direkt mit fernen, sonnenähnlichen Sternen vergleichen zu können, benötigte das Team ein hochpräzises Instrument aus der Planetenforschung. „ESPRESSO ist das führende Gerät auf diesem Gebiet; daher lag die Entscheidung auf der Hand“, so Santos. Als extrem genaues Messinstrument kann ESPRESSO winzigste Lichtveränderungen feststellen. Während ESPRESSO nachts am Very Large Telescope (VLT) der ESO ferne Sterne beobachtet, wird es nun tagsüber zusammen mit PoET für die Sonnenanalyse genutzt.

Es ist ein großer Gewinn, ESPRESSO auf diese Weise einzusetzen. Durch den Wechsel zwischen dem VLT in der Nacht und PoET am Tag schöpfen wir die Kapazitäten dieses Instruments voll aus“, erklärt Alain Smette, Mitglied des astronomischen Teams am VLT und Ansprechperson der ESO für das Projekt. „Dank der außergewöhnlichen Lage des Paranal-Observatoriums wird die Sonne an fast ebenso vielen Tagen beobachtbar sein wie es klare Nächte für die Sterne gibt.

Anfang April schloss PoET die ersten Testbeobachtungen – in der Fachwelt als First Light oder „Erstes Licht“ bezeichnet – am Paranal-Observatorium in der chilenischen Atacama-Wüste erfolgreich ab. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass das System alle Anforderungen erfüllt und sowohl die gesamte Sonnenscheibe als auch einzelne Teilbereiche präzise erfassen kann. In den kommenden Wochen wird das Team das System weiter feinjustieren, bevor der wissenschaftliche Routinebetrieb startet.

PoET wurde in Portugal entworfen und entwickelt und mit Mitteln des Europäischen Forschungsrats (ERC) finanziert [1]. Ein zwölfköpfiges Forschungsteam aus Portugal begleitete die Installation und die Tests vor Ort. Einzelne Komponenten, darunter das Hauptteleskop, wurden in Italien gefertigt, während die Schutzkuppel von einem chilenischen Unternehmen stammt.

Das Projekt wird nun per Fernsteuerung vom Zentrum für Astrophysik der Universität Porto betrieben. Die gewonnenen Daten werden der gesamten Forschungsgemeinschaft über das Wissenschaftsarchiv der ESO zur Verfügung gestellt.

Endnoten

[1] Das PoET-Teleskop wird von der Europäischen Union (EU) gefördert (ERC, FIERCE, 101052347).

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte (ESO) befähigt Wissenschaftler*innen weltweit, die Geheimnisse des Universums zum Nutzen aller zu entdecken. Wir entwerfen, bauen und betreiben Observatorien von Weltrang. Astronom*innen nutzen sie, um spannende Fragen zu beantworten und die Faszination der Astronomie zu wecken. Außerdem fördern wir die internationale Zusammenarbeit in der Astronomie. Die ESO wurde 1962 als zwischenstaatliche Organisation gegründet. Heute wird sie von 16 Mitgliedsländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, und Tschechien) sowie dem Gastland Chile und Australien als strategischem Partner unterstützt. Der Hauptsitz der ESO sowie das Besucherzentrum und Planetarium, die ESO Supernova, befinden sich in der Nähe von München in Deutschland. Die Teleskope der ESO stehen in der chilenischen Atacama-Wüste, einem wunderbaren Ort mit einzigartigen Bedingungen für die Himmelsbeobachtung. Die ESO betreibt drei Beobachtungsstandorte: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal stehen das Very Large Telescope (VLT) mit dem zugehörigen Very Large Telescope Interferometer (VLTI) sowie Durchmusterungsteleskope wie VISTA. Ebenfalls am Paranal wird die ESO das südliche Feld des Cherenkov Telescope Array (CTAO) betreiben, das größte und empfindlichste Gammastrahlen-Observatorium der Welt. Zusammen mit internationalen Partnern betreibt die ESO auf dem Hochplateau von Chajnantor das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) zur Beobachtung des Himmels im Millimeter- und Submillimeterbereich. Auf dem Cerro Armazones, nahe dem Paranal, errichten wir derzeit das Extremely Large Telescope (ELT). Es wird das größte optische Teleskop der Welt sein und wird oft als „das weltweit größte Auge am Himmel“ bezeichnet. Von unseren Büros in Santiago de Chile aus unterstützen wir unsere Aktivitäten im Land. Außerdem arbeiten wir mit chilenischen Partnern und der Gesellschaft zusammen.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Der deutsche Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Links

Kontaktinformationen

Nuno Santos
Institute of Astrophysics and Space Sciences
Porto, Portugal
E-Mail: Nuno.Santos@astro.up.pt

Alexandre Cabral
Faculty of Sciences of the University of Lisbon
Lisbon, Portugal
E-Mail: Alexandre.Cabral@ciencias.ulisboa.pt

Alain Smette
European Southern Observatory
Santiago, Chile
E-Mail: Alain.Smette@eso.org

Bárbara Ferreira
ESO Media Manager
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6670
Mobil: +49 151 241 664 00
E-Mail: press@eso.org

Peter Habison (Pressekontakt Österreich)
ESO Science Outreach Network und stem & mint e.U. – Space and Science Communications
Vienna, Austria
Tel: +43 676 648 7003
E-Mail: eson-austria@eso.org

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Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso2605.

Über die Pressemitteilung

Pressemitteilung Nr.:eso2605de-at
Name:ESPRESSO, Paranal solar ESPRESSO Telescope
Typ:Unspecified : Technology : Observatory
Facility:Paranal solar ESPRESSO Telescope

Bilder

Eine Gruppe von Personen in Schutzkleidung und Helmen arbeitet eng zusammen, um das große, silberfarbene Metallgerüst des PoET-Teleskops zu handhaben. Das komplexe Gerüst, bestehend aus einem grauen Gehäuseblock und einem Rohrrahmen aus Aluminiumstreben, hängt an einem breiten, blauen Hebegurt, der nach oben aus dem Bild führt. Vier Personen, die rote und gelbe Schutzhelme tragen, greifen gleichzeitig nach verschiedenen Stellen des Rahmens, um ihn zu stabilisieren und zu führen. Im Hintergrund erstreckt sich ein strahlend blauer Himmel über einem weißen Gebäude, das als Kuppelgehäuse dient. Im Vordergrund links ist ein Teil einer massiven, roten Metallstruktur zu erkennen. Diese Szene zeigt die Teamarbeit bei der Installation der astronomischen Ausrüstung.
Das PoET-Hauptteleskop
Ein weißer Lastwagen mit einem roten Kranaufbau steht auf einem weitläufigen Außengelände unter strahlend blauem Himmel. Der Kran hebt an gelben Gurten ein massives, weißes, U-förmiges Bauteil (die Gabelmontierung) über eine niedrige weiße Station mit offenem Dach. Im Vordergrund links steht eine Person mit rotem Schutzhelm und steuert den Vorgang. Am Horizont sind links und rechts die gewaltigen, silberfarbenen, mehreckigen Schutzbauten der Hauptteleskope des Very Large Telescope (VLT) zu erkennen. Orangefarbene Leitkegel sichern den Arbeitsbereich ab.
Die Gabelmontierung des PoET-Teleskops
Die Nahaufnahme zeigt eine technisch komplexe Metallkonstruktion – die Spiegelzelle – aus der Untersicht gegen einen wolkenlosen blauen Himmel. Das Bauteil hängt an violetten Hebegurten. Im unteren Teil ist eine massive, kreisförmige Metallplatte mit präzisen Bohrungen und kleinen Lüftungsgittern zu sehen. Mehrere schräge Metallstreben verbinden diese Basis mit einem darüber liegenden, grauen Gehäuseblock, an dessen Seite ein weißer Kasten mit elektrischen Anschlüssen befestigt ist. Die gesamte Struktur wirkt hochmodern und ist für den präzisen Einsatz in der Astronomie gefertigt.
Die Spiegelzelle des PoET-Hauptteleskops
Eine Untersicht auf das PoET-Teleskop in seinem hellen, oben offenen Gehäuse. Das Teleskop, eine Konstruktion aus weißen und grauen Metallkomponenten, ist steil nach oben auf die strahlende Sonne am tiefblauen Himmel gerichtet. Die Sonne steht als heller Lichtpunkt mit ausgeprägten Strahlen und Reflexionen am oberen Bildrand. Das Gerät ruht auf einer massiven, weißen Gabelmontierung mit markanten roten Akzenten an den Drehgelenken. An der Seite führt eine schwarze Kabelschleppe (Energiekette) in einem weiten Bogen vom Teleskopgehäuse nach unten zum Sockel. Die Szene vermittelt einen Eindruck von höchster Präzision unter den extrem klaren Bedingungen der Atacama-Wüste.
Das PoET-Teleskop auf die Sonne ausgerichtet
Ein weißer, rechteckiger Schutzbau mit Giebeldach steht im Zentrum einer grauen Betonplattform, in die Metallschienen eingelassen sind. Die auffällig leuchtend blaue Eingangstür des Gebäudes steht weit offen und gibt den Blick in einen technisch ausgestatteten Innenraum frei. Unmittelbar hinter dem Gebäude ragt eine gewaltige, silberne, mehreckige Teleskopkuppel des VLT in den klaren, blauen Himmel. Im Hintergrund links sind zwei weitere weiße, kugelförmige Kuppeln in der Ferne zu erkennen. Ein langer, metallisch glänzender Flachbau erstreckt sich auf der rechten Seite. Die Szene zeigt die wissenschaftliche Infrastruktur auf dem Gipfel des Paranal unter extrem klaren Wetterbedingungen.
Der PoET-Schutzbau
Die Innenaufnahme zeigt einen wissenschaftlichen Arbeitsplatz mit zwei nebeneinander stehenden Computerbildschirmen auf einem hellen Tisch. Auf beiden Monitoren ist eine grafische Darstellung von Spektraldaten zu sehen: ein Muster aus vielen feinen, vertikalen, orangefarbenen Linien auf schwarzem Hintergrund. Zwischen den Monitoren befinden sich verschiedene Kabel, ein kleiner schwarzer Lautsprecher und ein auffälliger roter Not-Aus-Schalter mit der Beschriftung „STOP“. Über den Bildschirmen ist ein Teil einer blauen Metallhalterung erkennbar. Die Szene verdeutlicht die computergestützte Auswertung astronomischer Beobachtungsdaten.
Erste Sonnenspektren mit PoET aufgenommen

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